Sie sind hier: Startseite // CP Wanderath // Aktuelles

Aktuelles

Nun sind einige Wochen vergangen, seitdem Bewohner und Mitarbeiter ungefragt in der Sendung des Wallraff-Teams auf RTL gezeigt wurden. Langsam kehrt Normalität in den Alltag der Einrichtung ein, trotz des Misstrauens, das bei allen gegenüber Besuchern geblieben ist.

Viele Stunden wurden mit den Bewohnern, dem Bewohnerbeirat und Mitarbeitern im Rahmen von Supervision sowie Gruppen- und Einzelgesprächen verbracht, um die Ohnmachtsgefühle und Emotionen über die Verletzung der Intimsphäre und der Persönlichkeitsrechte eines jeden Raum zu geben.

Auch die Reaktionen bei Zuschauern der Sendung, die durch die Ausstrahlung ausgelöst wurden, haben uns lange beschäftigt und hallen noch nach. Wir haben schmerzhaft erfahren müssen, dass manipulierte Bilder und willkürlich geschnittene Filmausschnitte unbedarft als Wahrheit akzeptiert werden und man direkt verurteilt wird. Vieles hätte sich schnell klargestellt, wäre mit uns anstatt über uns gesprochen worden. Hetzjagden auf Internetplattformen wie facebook und Co wären bestimmt glimpflicher ausgegangen und nächtliche Attacken auf Fahrzeuge von Mitarbeitern und der Einrichtung sowie verachtende Schimpfparolen gegenüber Bewohnern wie: „hier wohnen kranke Monster, die müssen raus“, hätten durch sachliche Aufklärung verhindert werden können. Zudem verstehen wir bis heute nicht, warum über ein Jahr gewartet wird, bis sich Journalisten an die Öffentlichkeit wenden, um scheinbare „Missstände“ abzustellen. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, dass Herr Walraff und sein Team, sich direkt nach dem Entdecken angeblich fürchterliche Zustände, an die zuständigen ordnungsrechtlichen Behörden gewandt hätten?

Ja, bei uns leben Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankung und ihres „Anders-Seins“ oft abgewiesen worden und viele Stationen des Scheiterns in ihrem Leben hinter sich haben. Man muss sich ausführlich mit unserer Arbeit, den fachlichen Interventionen und der Komplexität unserer täglichen Arbeit befassen, um sie zu verstehen. Eine zusammengeschnittene Aneinanderreihung von Aufnahmen, ohne den jeweiligen Menschen tatsächlich und die Komplexität zu kennen, führen zwangsläufig zu Störgefühlen beim Betrachter und fördern offenes Misstrauen gegenüber unserer Arbeit. Dies trifft insbesondere zu, wenn ein Reporter, gegen den aktuell staatsanwaltschaftlich ermittelt wird, mit dem Auftrag „Skandalbilder“ zu liefern, für netto 2,5 Arbeitstage in einem solchen Arbeitsumfeld herum stolpert. Darüber hinaus zeigen die gesendeten Aufnahmen Sachverhalte nur bruchstückhaft, falsch und unprofessionell kommentiert.

Wir sind froh, dass durch unsere enge Zusammenarbeit mit den Bewohnern, der Reporter vor Ablauf seines angeblichen Praktikums durch uns entlarvt und mit Polizei und Staatsanwaltschaft aus der Einrichtung abgeführt werden konnte. Wer weiß, welchen Schaden die Bewohner und Mitarbeiter sonst noch hätten erdulden müssen.

Eins möchten wir klarstellen: Wir machen nicht alles richtig, aber wir misshandeln und demütigen auf keinen Fall mutwillig uns anvertraute Menschen!

Unsere Einrichtungen der Erwachsenenhilfe sowie der Jugendhilfe wurden umfassend durch die zuständigen Aufsichtsbehörden mehrfach uangekündigt überprüft. Im Rahmen dieser Prüfungen wurden keinerlei Verstöße und Mängel festgestellt. Im Übrigen kam die Jugendhilfeeinrichtung nur in den Fokus, weil der Reporter in der Sendung behauptete, der sei der „Jugendhilfe-Praktikant“. Die Filmausschnitte betrafen ausschließlich das Wohnumfeld der Einrichtung für Erwachsene.

Die Erlebnisse der vergangenen Monate haben wir in die Überprüfung und Reflektion unserer Arbeit wie gewohnt mit externer Unterstützung unter die Lupe genommen. Dabei wurde sehr deutlich, dass die notwendige Arbeit mit unserer schwierigen Zielgruppe in einer offenen Wohnform, in der jeder Bewohner jeder Zeit gehen kann, für außenstehende Dritte schwer zu (be)greifen ist. Wir können darum immer wieder dazu einladen, mit uns den offenen Austausch zu suchen.

Aus diesem Grund möchten wir hier auch den Leserbrief (Download Leserbrief [78 KB] ) des Bewohnerbeirates veröffentlichen, den dieser an die Rhein-Zeitung gesendet hat und zum Bedauern der Bewohner dort leider nicht der Leserschaft zur Verfügung gestellt wurde. Nun verschaffen wir den Bewohnern auf diese Weise Gehör.

Trotz allem sehen wir die Situation als Chance, dass ein fruchtbarer Dialog mit den politischen Akteuren und uns als Leistungsanbieter initiiert werden kann, um die von uns betreute Zielgruppe in den Fokus zu rücken und fachliche Möglichkeiten, Notwendigkeiten und Grenzen für Rheinland - Pfalz gemeinsam zu thematisieren.

Wir sind überzeugt, dass es hier Ressourcen und Sach- sowie Fachverstand in ausreichendem Maße gibt und wir den skandalisierenden Investigativ-Journalismus nicht benötigen, um den Menschen professionelle Betreuungsangebote außerhalb geschlossener Wohnbereiche zu ermöglichen.