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STELLUNGNAHME ZUM RTL BERICHT VOM 18.03.2019

Die RTL-Sendung „Team Wallraff“ vom 18. März 2019 hat den Umgang mit Bewohnern an unserem Standort in Wanderath in unangemessener Weise skandalisiert und unser Therapie- und Betreuungskonzept insgesamt in ein falsches Licht gerückt.

Fachkundige, die unsere Einrichtung kennen, lassen sich durch RTL nicht in die Irre führen: Wir haben inzwischen sehr positive schriftliche Rückmeldungen von mehreren gesetzlichen Betreuern und Betreuungsvereinen erhalten. Deren Zuschriften würdigen unsere Leistungen im Umgang mit schwierigen Fällen ausdrücklich und bestätigen Therapieerfolge, die das Resultat unserer Arbeit mit Bewohnern sind.

„Team Wallraff“ hatte kein Interesse an einer objektiven Betrachtung unserer Einrichtung. Die ganze Machart des RTL-Berichts ist auf ungerechtfertigte Skandalisierung ausgerichtet und trägt der tatsächlichen Situation nicht ausreichend Rechnung: Der Bericht ignoriert individuelle Krankheitsbilder, reißt Situationen aus ihrem Zusammenhang, um sie in einen falschen Kontext zu stellen, und täuscht Zuschauer auch durch unvollständige Schilderung von Vorkommnissen. Dieser ungerechtfertigten Darstellung widersprechen wir entschieden.

Eine ganze Reihe der von „Team Wallraff“ erhobenen Behauptungen sind bereits nach unserem jetzigen Kenntnisstand nachweislich unwahr:

Falsch ist schon der Titel „Undercover in Psychiatrien und Jugendhilfe“. Denn die verdeckten Reporter kamen gar nicht in unserer Jugendhilfeeinrichtung zum Einsatz, obwohl dieser Eindruck ständig erweckt wird; so entspricht die Behauptung des Senders, ein RTL Reporter habe angeblich als „Jugendhilfepraktikant“ verdeckt recherchiert, nicht den Tatsachen: Er war Hospitant und nur in der Einrichtung unserer Erwachsenenhilfe eingesetzt. Dieser war auch die verdeckte RTL-Reporterin während ihrer kurzen Hospitanz zugeordnet, anders als im Beitrag dargestellt. Beide Undercover-Reporter hatten allenfalls punktuell Kontakt zu Jugendlichen – entgegen dem von RTL erweckten Eindruck. Die in der Sendung gezeigten Ausschnitte mit Bewohnern zeigen ausschließlich die Erwachsenenhilfe.

In Wanderath betreibt Case Project zwei in separaten Gebäuden auch räumlich voneinander getrennte Einrichtungen: Die Jugend- und die Erwachsenenhilfe. Diese unterliegen unterschiedlichen gesetzlichen Bestimmungen und haben verschiedene Anforderungen. Anders als von RTL suggeriert, befindet sich der im Beitrag thematisierte Deeskalationsraum im Gebäude der Erwachsenenhilfe und steht Jugendlichen gar nicht zur Verfügung.

Ebenso unzutreffend ist die Darstellung, ein verdeckt gefilmter Bewohner sei fünf Tage lang im Deeskalationsraum „eingesperrt“ gewesen. Der gezeigte, erwachsene Bewohner hat den Deeskalationstraum auf eigenen Wunsch genutzt, um abends Ruhe zu finden. Er hat tagsüber an Arbeitstherapiemaßnahmen teilgenommen, in seiner Wohngruppe zu Mittag gegessen und Spüldienst geleistet. All dies ist dokumentiert. Da der Bewohner den Raum nachweislich freiwillig aufsuchte, keine Bestrafung vorlag, und er den Raum immer wieder verließ, befand er sich auch nicht wie von RTL behauptet „in Einzelhaft“.

Nachweislich falsch ist auch die von „Team Wallraff“ erhobene Behauptung, ein Jugendlicher sei unbemerkt ausgerissen. Im RTL-Film selbst sind in der entsprechenden Szene kurz Betreuer am offenen Fenster im 1. Stock sowie an der Eingangstür darunter zu sehen; diese wollten ihn vom Davonlaufen abhalten. Als dies nicht gelang, wurde umgehend die Polizei informiert. Sie brachte den Jugendlichen innerhalb einer Stunde zurück. Die Anwesenheit des Jugendlichen im Gebäude der Erwachsenenhilfe an diesem Tag war genehmigungskonform.

RTL gibt zudem mehrfach Stellungnahmen von Case Project verfälschend wieder, so dass für Zuschauer der Eindruck eines Widerspruchs zu gezeigten Filmaufnahmen entsteht. Nur ein Beispiel dafür, wie RTL von Case Project zu einem bestimmten Sachverhalt abgegebene Erläuterungen im Kontext einer völlig anderen Szene einblendet: Unsere Aussage, dass bei Nutzung des Deeskalationsraums „immer mindestens ein Mitarbeiter ununterbrochen unmittelbar bei dem Klienten ist und auf diesen achtet“, bezieht sich auf Akutsituationen mit Eigen- oder Fremdgefährdung. Sie passt nicht zu der davon grundsätzlich verschiedenen, von RTL gezeigten Situation, in der ein Bewohner den Raum ohne akute Notsituation von sich aus aufsucht. Dazu hatten wir RTL geantwortet: „Es gibt Klienten, die diesen Raum selbstständig und auf eigenen Wunsch auch ohne akute Notsituation (Eigen- und Fremdgefährdung) aufsuchen, weil sie dessen reizarme räumliche Situation als Sicherheitsfaktor für sich beurteilen. Je nach persönlicher Verfassung kann es vorkommen, dass ein Klient den Raum zu diesem Zweck (Suche nach Ruhe) über mehrere Tage immer wieder nutzt. Dies ist z.B. bei diesem Bewohner der Fall. Wenn ein Klient, wie dieser Bewohner, den Raum selbstständig in dieser Form nutzt, wird dies zuvor immer mit dem Personal vereinbart und dokumentiert. Eine zuvor mit dem Personal nicht abgesprochene Nutzung ist nicht erlaubt und kommt nicht vor. In solchen Fällen ist festgelegt, dass Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen nach dem Klienten im Raum sehen, um eine etwaige Verschlimmerung von Ängsten oder krisenhaften Situationen frühzeitig bemerken zu können.“ Diese Antwort wurde von RTL unterschlagen.

Dies gilt auch für die für das grundlegende Verständnis wichtige Tatsache, dass es sich bei unseren beiden Einrichtungen in Wanderath (Jugend- und Erwachsenenhilfe) um offene Wohnformen handelt, die man jederzeit verlassen kann. Es ist explizites Ziel unserer Arbeit, auch in schwierigen Krankheitsverläufen Einweisung von Bewohnern in Akutkliniken bzw. geschlossene Einrichtungen zu vermeiden. Anders als in diesen arbeiten wir auch bei starken Impulsen und in Situationen mit Eigen- oder Fremdgefährdung z.B. eben nicht mit Gurtfixierungen.

Die Beispiele für unzutreffende Berichterstattung verdeutlichen exemplarisch, mit welchen Mitteln die Sendung die tatsächliche Situation in unserer Einrichtung verzerrt. Darüber hinaus gibt es weitere Widersprüche, die wir derzeit im Detail aufarbeiten.

Zugleich nehmen wir die Sendung trotz der ungerechtfertigten Darstellungen zum Anlass, alle darin geschilderten, angeblichen Sachverhalte auch auf etwaiges eigenes Fehlverhalten sehr genau zu überprüfen. Denn wir sind uns der großen Verantwortung bewusst, die der Umgang mit psychisch kranken Menschen erfordert. Wo Mitarbeiter unseren eigenen, hohen Ansprüchen nicht genügen, handeln wir umgehend und konsequent. Bislang haben wir dafür in einem Fall Anhaltspunkte gefunden: Der Umgang mit einer Bewohnerin, die im Beitrag mit einer schweren Impulsstörung gezeigt wird, war nicht in jeder Hinsicht korrekt. Wir bedauern dies und haben uns dafür bei der Bewohnerin und Angehörigen entschuldigt. Mit der betreffenden Mitarbeiterin wurde unter Einbeziehung einer externen Beraterin bereits mit Einzelcoaching begonnen, um Reflexion und Weiterentwicklung ihres Verhaltens zu ermöglichen. Jedoch wurden auch hier wesentliche zuvor durchgeführte deeskalierende Interventionen seitens RTL weggelassen, so dass für den Betrachter ein falscher Eindruck entstand

Sollten wir im Zuge der laufenden Aufklärung weiteres etwaiges Fehlverhalten entdecken, werden wir auch dieses vollumfänglich aufarbeiten und entschlossen handeln.



Über Case Project:
Die Case Project GmbH betreibt drei Einrichtungen in Rheinland-Pfalz, die an unterschiedliche Bedürfnisse angepasste Wohn- und Betreuungsformen bieten und über insgesamt 88 stationäre Plätze verfügen.

Unsere Einrichtungen leisten Eingliederungshilfe gemäß SGB XII für die Rehabilitation von Menschen mit psychischen und seelischen Beeinträchtigungen. Unsere Betreuer helfen Menschen, die derzeit nicht in der Lage sind, ohne fremde Hilfe den Lebensalltag zu bewältigen und daher fachkundige Begleitung, Betreuung und Förderung benötigen. Viele haben zuvor lange Zeit in geschlossenen Einrichtungen, Akutkliniken oder Justizvollzugsanstalten verbracht. Für andere bieten unsere Einrichtungen eine - zum Teil letzte – Alternative zu geschlossenen Einrichtungen oder Strafvollzug. Im Sinne von Therapieerfolg und möglichst schneller Wiedereingliederung von Bewohnern setzt Case Project auch in schwierigen Fällen bewusst auf offene Wohnformen statt geschlossener Unterbringung.

Case Project orientiert sich an deren Zielen einer menschlichen Psychiatrie. Wir stehen für eine wertschätzende und achtende Grundhaltung gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen, auch in schweren Fällen. Unser Anspruch ist es, dass die Bewohner unserer offenen Einrichtungen der Jugend- und Erwachsenenhilfe möglichst eigenständig leben lernen, psychisch gesunden und dadurch zurück in ein normales Leben finden. Dafür arbeiten unsere Mitarbeiter täglich mit hohem Engagement.